Unterschiede der Coaching-Konzepte



Worin liegen die Unterschiede zwischen personzentriert-humanistischen Coachingausbildungen und solchen die das personzentrierte oder humanistische integriert haben? 
Und was bedeutet dabei systemisch fundiert? 

In der Welt des Coachings gibt es eine Vielzahl von Ausbildungswegen, die unterschiedliche theoretische Grundlagen und methodische Ansätze verfolgen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen klassischen humanistischen Coachingausbildungen und denen, die den personzentriert-humanistischen Ansatz integriert haben, liegt in der Gewichtung von Theorie und Praxis.  

A. Humanistisch-personzentriert und systemisch fundiert 

Während bei einer fundierten Ausbildung zwei Denkschulen als gleichwertige Säulen dienen, nutzt eine integrierende Ausbildung Elemente einer Schule lediglich als Werkzeuge innerhalb eines anderen Hauptrahmens.

 

1. Humanistisch-personzentriert und systemisch fundiert (Dualer Fokus)

In diesem Modell werden beide Ansätze als gleichberechtigte theoretische Basis gelehrt. 

  • Fokus: Es geht um die Verbindung von innerem Erleben (humanistisch) und äußeren Wechselwirkungen (systemisch).
  • Methodik: Der Coach wechselt bewusst die Perspektive. Er nutzt die personzentrierte Haltung, um eine tiefe Beziehung zum Klienten aufzubauen, und greift gleichzeitig auf systemische Strukturmodelle zurück, um komplexe Beziehungsdynamiken im Umfeld des Klienten (z.B. Team, Familie) zu analysieren.
  • Haltung: Man geht davon aus, dass Veränderung nur gelingt, wenn sowohl die individuelle Selbstverwirklichung als auch die Einbettung in Systeme berücksichtigt werden. 

B. Coachingausbildungen, die Personzentrierung "integrieren" 

Hier ist meist ein anderer Ansatz (oft der systemische oder lösungsorientierte) federführend. Die Personzentrierung dient nur als "Unterbau" oder ergänzendes Modul. 

  • Fokus: Die Personzentrierung wird primär als Gesprächsführungstechnik verstanden (z.B. "Aktives Zuhören"), um den Prozess flüssiger zu gestalten. 
  • Methodik: Der Schwerpunkt liegt auf den Tools des Hauptansatzes (z.B. Genogrammarbeit oder zirkuläre Fragen im systemischen Coaching). Die humanistischen Prinzipien sollen zeigen, dass der Coach dabei wertschätzend bleibt, bilden aber nicht das primäre Erklärungsmodell für das Verhalten des Klienten.
  • Ziel: Die Integration dient der Beziehungsgestaltung, während die Problemlösung über die Methoden des Hauptfachs erfolgt. 

Im rein humanistischen Coaching ist das Individuum der primäre Ausgangspunkt. 

Bei integrativen Ansätzen verschiebt sich dieser Fokus jedoch je nach Gewichtung zur Systemik. 

1. Humanistischer Fokus: Veränderung von innen nach außen. Der humanistische Ansatz (nach Carl Rogers) basiert auf der Überzeugung, dass jeder Mensch eine angeborene Selbstaktualisierungstendenz besitzt. 
 

  • Der Kern: Veränderung beginnt mit der inneren Klärung, dem Selbstvertrauen und der Autonomie des Einzelnen.
  • Die Annahme: Wenn ein Individuum sich selbst besser versteht und annimmt (Kongruenz), verändert sich zwangsläufig auch sein Verhalten und damit seine Wirkung auf die Umwelt.

2. Systemischer Fokus: Veränderung durch den Kontext

Im Gegensatz dazu sieht die reine Systemik das Individuum als Teil eines Netzwerks von Beziehungen und Wechselwirkungen. 

  • Der Kern: Veränderung wird oft durch eine Änderung der Kommunikation oder der Regeln innerhalb eines Systems (z. B. Team oder Familie) angestoßen.
  • Die Annahme: Nicht nur das Individuum muss sich ändern; oft reicht ein kleiner Impuls im System, um eine Kettenreaktion auszulösen, die das Individuum entlastet. 

Humanistisch-integrativ fundierte Ausbildung 

Wenn eine Ausbildung beide Pole als fundiert (gleichwertig) betrachtet, ist der Ausgangspunkt flexibel:

  • Der Coach prüft: Liegt die Blockade eher in der Persönlichkeitsstruktur des Klienten (humanistischer Startpunkt) oder in den dysfunktionalen Strukturen seines Umfelds (systemischer Startpunkt)?
  • Man arbeitet an der „Schnittstelle“: Wie kann das Individuum in einem starren System autonom bleiben? 


Fazit: In einer rein humanistischen Ausbildung ist das Individuum das „Zentrum des Universums“. In modernen, kombinierten Ausbildungen (wie sie 2026 in NRW Standard sind) wird das Individuum zwar als handelndes Subjekt ernst genommen, aber immer in seiner Wechselwirkung mit dem System betrachtet. 

Die Gewichtung eines Pols in der Coachingausbildung ist das Entscheidende für die Haltung, die der ausgebildete Coach später vertreten wird. 

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